Dienstag, 1. Juli 2008
Alles neu macht der Juli - bei YiGG
Oder: YiGG-Relaunch offenbar kräftig in die Hose gegangen.
Das deutschsprachige Social-News-Portal YiGG hat sich ein Facelifting verpasst. So etwas macht man normalerweise, um eine Verbesserung und mehr Zufriedenheit auf Seiten der User zu erzielen. Wenn etwas nicht den Wünschen der Benutzer entspricht, so tun sie dies für gewöhnlich per Mail oder vielleicht innerhalb eines Forums kund.
Nicht so bei YiGG - durch die Natur der Sache landete hier haufenweise Kritik an prominenter Stelle.
Das deutschsprachige Social-News-Portal YiGG hat sich ein Facelifting verpasst. So etwas macht man normalerweise, um eine Verbesserung und mehr Zufriedenheit auf Seiten der User zu erzielen. Wenn etwas nicht den Wünschen der Benutzer entspricht, so tun sie dies für gewöhnlich per Mail oder vielleicht innerhalb eines Forums kund.
Nicht so bei YiGG - durch die Natur der Sache landete hier haufenweise Kritik an prominenter Stelle.
Jeder Benutzer kann News im Netz, die er für interessant befindet - es müssen nicht seine eigenen sein - dort einstellen, mit einer Überschrift und einem kurzen Beschreibungstext versehen. Weitere Benutzer können diese News dann “yiggen” - also entweder auf Yigg.de direkt oder auf einem wie z.B. hier im Beitrag integrierten Button ihre Stimme für den Beitrag abgeben. Beiträge bleiben 24 Stunden in der Warteschlange. Ab einer gewissen Zahl von Votes, wobei die Votes einiger aktiver Benutzer etwas mehr Gewicht haben, erscheint der Newsbeitrag auf der Startseite und beschert optimalerweise viele neue interessierte Besucher. Alle anderen Beiträge bleiben aber auch irgendwo im Archiv.
Nutzen: man kann es sich sparen, alle möglichen Zeitungen und News-Portale und Blogs abzusurfen, da man hier alle möglichen Meldungen findet. manchmal auch kuriose, die auf großen Zeitungsseiten gar keine Chance hätten. Oder etwas, was die Internet-Szene bewegt. Man kann sich auch nur bestimmte Rubriken anzeigen lassen oder in Gruppen zu bestimmten Themen Mitglied werden.
Beliebt sind derartige Dienste auch bei Suchmaschinenoptimierern. Da deren News aber meist der Mehrwert fehlt, ist diese Spezies bei YiGG eher verpönt.
Nun gibt es also ein runderneuertes YiGG. Wer nicht blind ist, der fällt vor allem die neue Farbgebung auf, die per se erst einmal nicht zu beanstanden ist (außer dass orange ggf. etwas zur Agressivität der Kritiker beiträgt?). Die Menüpunkte im Seitenkopf sind ein wenig abgespeckt worden. Diese haben einem Werbebanner Platz gemacht und sind in die rechte Seitenleiste gewandert.
Die Kritik der bisherigen YiGG-Fans hat es in sich: Kritisiert werden vor allem Bugs, dass z.B. Textformatierungen in den Beiträgen nicht richtig funktionieren. Im Klartext heißt das, dass offenbar nicht gut genug unter realen Bedingungen getestet worden ist. Wir haben den 1. Juli, der neue Auftritt musste wohl unbedingt zum Stichtag online gehen. Nun ist es im IT-Bereich ja sehr häufig so, dass Projekte nicht zum angepeilten Termin fertig werden: Nachbesserungswünsche des Kunden oder einfach Schwierigkeiten, die man nicht bedacht hatte. Wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man ggf. einen solchen Relaunch noch ein paar Tage verzögern - besser ein später als ein gänzlich misslungener Neustart.
Damit sind wir auch schon beim zweiten Kritikpunkt: Es hat Tage gedauert, bis die neue Version “oben” war; tagelang war der Server nicht verfügbar (btw. bekam ich jetzt beim Gucken und Schreiben auch einen Error 500 serviert).
Der Usability widerspricht auch, dass der Klick auf die Überschrift nunmehr nicht mehr zum Ursprungsbeitrag, sondern nur extended version des YiGG-Artikels führt. Das hat nicht nur mich, sondern auch Pelle (Gruß nach Kölle!) irritiert. Pelle stellt auch weiterhin fest, dass sich die URLs alle geändert haben - aus der Sicht eines SEOs, aber eigentlich von jedem, der irgendwie Besucher haben möchte, ein ganz, ganz böser Kardinalfehler, sofern keine Weiterleitungen existieren. Immerhin scheint man bei den meisten Seiten daran gedacht zu haben, nicht aber bei http://www.yigg.de/ueber.
Weiterhin ist die oben schon erwähnte Werbung vielen ein Dorn im Auge, darunter vor allem aufdringliche Layer, die ich jetzt nur bekam, nachdem ich von Google kam.
Besonders verärgert sind einige darüber, dass viele Daten und somit auch ihre eigene Arbeit vieler Monate ganz weg sind. Ich selbst habe YiGG nie so intensiv genutzt, dass mir das jetzt sonderlich aufgefallen wäre. Denn Gruppen gibt es nach wie vor, sie sind aber nach Aussagen von Benutzern verschwunden.
Ich selber kann derzeit nur feststellen, dass zwar die von mir eingestellten Nachrichten noch alle da sind, aber nicht mehr die, für die ich gevotet habe. Das “Leider haben wir keine Nachrichten gefunden.”, das ich dort zu sehen bekam, hatten andere User sogar auf der Startseite.
Es schien mir aber so, als würden die “verschwundenen” Daten nach und nach wieder eingespielt. Das wurde auch mittlerweile bestätigt.
Die Verärgerung der altgedienten Benutzer saß tief. Die ganze Startseite ist aktuell mit Beiträgen gepflastert, die dem neuen YiGG ein vernichtendes Urteil ausstellen. Viele kündigten einen Boykott an. Andere nahmen es immerhin noch mit Humor, vor allem das Design betreffend.
Von der Design- und Usability-Frage einmal abgesehen, scheint ja mittelfristig alles beim Alten zu bleiben. Insofern ist natürlich die Frage, ob die Benutzer ihren angekündigten Boykott wieder zurückziehen werden. Zu hoffen wäre dies für die Betreiber, die die Beschwerden immerhin ernst und Feedback bei der Fehlersuche entgegen nehmen (auch wenn das eigentlich nicht die Aufgabe der User gewesen wäre, diese zu finden).
Denn YiGG hat im deutschsprachigen Raum noch lange nicht den Stellenwert und Bekanntheitsgrad erlangt, den das große Vorbild Digg in den USA hat. Den meisten Internetnutzern hierzulande sind derartige Dienste vollkommen unbekannt. In erster Linie sind es Webworker mit viel Erfahrung, von denen einige den Dienst für ihre eigenen Interessen (Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrads) nutzen. Der große, fette Boom ist noch nicht da, und noch lebt das Projekt in großen Teilen von einer nicht allzu großen Gruppe wirklich engagierter Benutzer. Für viele andere ist es lediglich “Schrottabladeplatz”. Die Qualität würde also durch einen Boykott abgesenkt, dadurch wiederum das Ganze für Neulinge unattraktiver.



Nachdem Design und Usability ja neben vielen weiteren Übeln gestern schon diskutiert worden sind, gibt es noch einen kleinen Nachtrag.Dieser “Fehler” ist mir aufgefallen, als ich in der Warteschlange den neuesten Beiträgen geblättert habe. Ich Kommentar (1)
Aufgenommen: Jul 02, 13:21