Da ich als Preisträgerin der THESEUS Talente 2008 zum IT-Gipfel in Darmstadt eingeladen worden bin, habe ich natürlich die zentralen, immer wieder auftauchenden Themen hautnah mitbekommen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Abschlussrede des Gipfels auf diese Punkte Bezug genommen, die zentralen Aspekte zusammengefasst und auch erläutert, inwiefern die Bunderegierung bei der Verwirklichung - auch finanziell - helfen will.
Ich selbst war nicht die einzige Studentin vor Ort. In diesem Jahr waren bewusst einige Schüler, Studenten und auch Doktoranden eingeladen worden, die bereits am Vorabend an Workshops teilnehmen konnten. BITKOM-Präsident Prof. Scheer diskuterte mit uns Studenten über Unternehmereigenschaften und Unternehmensgründung - im IT-Bereich sicher immer noch eine Perspektive, wenn man die passende Geschäftsidee und den richtigen Unternehmergeist hat. Dazu gehört übrigens auch, dass man seine Idee gegebenenfalls neuen Gegebenheiten und dem tatsächlichen Bedarf anpasst.
Wir jungen Leute - die Schüler natürlich eher als ich - werden auch als Digital Natives bezeichnet. Unter dem Namen
DNAdigital gibt es hier bereits eine Plattform. Sie kennen von klein auf den Umgang mit den neuen Medien; SMS verschicken und gleichzeitig bloggen, damit sind sie ganz selbstverständlich aufgewachsen. Telekom Chef René Obermann merkte in seiner Rede beim Vorabendempfang an, dass seine Tochter im Alter von sechs Jahren erst recht spät einen eigenen PC bekommen habe. Die Erwartungen an die “Eingeborenen”, die die Medien schon so ganz anders nutzen als die “Alten” bzw. die “Jungen jeden Alters” (Running Gag des IT-Gipfels), sind hoch.
Daher sollen in Zukunft weit mehr staatliche Gelder in Bildung und Forschung fließen, wobei die Kanzlerin konkrete Zahlen und Zeiträume nannte.
Gleichzeitig machte das Thema weltweite Finanzkrise natürlich auch vor dem 3. nationalen IT-Gipfel nicht halt. Debei sind zwei gegenläufige Perspektiven erkennbar. Zwar bleiben auch Teile der IT-Branche nicht verschont, wenngleich diverse Vorstandsvorsitzende von einer “suizidalen Berichterstattung der Medien” sprachen. Gleichzeitig liegen in der Krise auch Chancen. Denn bessere IT-Lösungen können anderen Unternehmen in dieser schwierigen Lage beim Sparen helfen. Das kann durchaus neue und mehr Aufträge in manchen Bereichen bedeuten.
Zum Thema digitale Persönlichkeit, was ja durchaus ein heißes Eisen ist, habe ich leider nicht ganz so viel mitbekommen, da ich an einem anderen Forum teilgenommen habe. Der Tenor ist jedoch, dass man den Umgang mit dem Internet und auch den persönlichen Daten, die zur digitalen Identität gehören, für alle Teilnehmer sicherer werden soll.
Meiner Meinung nach gehört dazu vor allem, dass verstärkt das Bewusstsein dafür geweckt wird, dass man im Internet eben nicht anonym ist, und bewusst darüber entscheiden (können) sollte, welche Daten man öffentlich preisgibt.
Denn immer noch gibt es Menschen in Deutschland, die mit dem Medium Internet noch nicht oder kaum vertraut sind. Diese gilt es besonders zu schützen.
In diesem Zusammenhang ist aufgefallen, dass eins der hier immer wieder genannten Ziele ist, endlich eine flächendeckende Versorgung mit Breitband-Internet in Deutschland sicherzustellen. Neben Breitband-Glasfasernetzen sollen dafür übrigens auch freiwerdende Frequenzen aus dem terrestrischen Rundfunk genutzt werden - gerade für ländliche Gegenden sicher eine lohnende Alternative. Denn letztlich gibt es eine Diskrepanz aus den Investitionen, die für neue Leitungen notwendig sind, und den Einnahmen, die in schwach besiedelten Gegenden zu erzielen sind.
Übrigens wurden auch die Gründe dafür erklärt, dass auch Stadtrandgebiete oft nur schlecht mit DSL versorgt sind: DSL ist für eine bestimmte länge der Leitung ausgelegt. Wenn sie zu lang ist, funktioniert das in veralteten Infrastrukturen nicht mehr.
Immer wieder auch im Vorfeld des IT-Gipfels genannt wurde ja das Stichwort Green IT. In vielen Unternehmen ist durchaus ein Bewusstsein dafür da, wie viel Strom die Rechenzentrum verbrauchen, und wie dieser Verbrauch gesenkt werden kann. Ein großes Sicherheitunternehmen nannte die Zahl von 3 Millionen Euro Stromkosten im Jahr - sparen lohnt sich also.
Interessant fand ich persönlich
E-Energy. Stromverbrauchende Geräte wie etwa die Waschmaschine sollen so intelligent und untereinander vernetzt werden, dass immer bekannt ist, wie viel Strom gerade verbraucht wird. Das Ganze wird darauf abgestimmt, wie viel Strom gerade im Netz zur Verfügung steht - in Zeiten von immer mehr Windkraft- und Solaranlagen kein ganz falscher Gedanke. Die Waschmaschine soll sich dann einschalten, wenn gerade viel Strom im Netz zur Verfügung steht - ähnlich wie ein Parkleitsystem oder ein System zur Stauumfahrung. Sicherlich ist das nicht für alle stromverbrauchenden Geräte machbar, aber für einige schon. Bundeskanzlerin Angela Merkel erwies sich als bodenständig und meldete auch gleich ihre Bedenken an: wenn nebenan das Schlafzimmer sei, wäre es nicht so toll, wenn nachts um drei Uhr die Waschmaschine laufe. Allerdings sah sie auch Vorteile darin, da so die Hersteller sich bemühen müsste, leisere Waschmaschinen zu bauen. Auch das schafft Arbeitsplätze.
Weiterhin wurde auch das
THESEUS Programm genannt, mit dem ich natürlich etwas vertrauter bin. Man kann nicht oft genug sagen, dass es dabei seit der Trennung von den Franzosen nicht mehr um die Entwicklung einer Suchmaschine als Google-Konkurrenz geht. Einige Basistechnologien werden in verschiedenen Anwendungsszenarien erprobt, sollen aber auf viele verschiedene Bereiche übertragbar sein. Nett anzuschauen fand ich da noch eine Entwicklung der
B2M Software AG und der TU Darmstadt, die am Stand von SAP präsentiert wurde: Theseus to go. Man hat z.B. eine Art Buddyliste auf seinem Handy und kann dann sehen, wer von den Buddies sich in der Nähe befindet - das funktioniert natürlich per GPS. Diese Leute können dann auch automatisch z.B. mit einer SMS zum aktuellen Standort gerufen werden.
Apropos Übertragbarkeit und Offenheit: Es wurde angeregt, das Thema Open Source in den nächsten IT-Gipfel aufzunehmen, was großen Anklang fand. Denn rund um Open Source gründen sich auch viele neue kleine Unternehmen. Man wird sehen.
Und da der Gipfel jetzt vorbei ist, werde ich mich gleich mal zum Bahnhof begeben.