Vor zwei Tagen etwa um diese Uhrzeit erhielt ich einen Telefonanruf der Deutschen Gewinnspielzentrale. Auf der angerufenen Nummer lasse ich meist meinem Anrufbeantworter den Vortritt, aber zufällig wollte mich kurze Zeit später jemand abholen, der diese Nummer nutzt, also habe ich abgehoben - und war mit einer “überaus freundlichen” Dame mit süddeutschem Akzent verbunden, die angab, für die Deutsche Gewinnspielzentrale anzurufen.
Meine erste Reaktion: “Kein Interesse!”
Sie erklärte mir, dass ich ein Dreimonats-Abo abgeschlossen hätte, und fragte, ob ich dieses Abo kündigen wollte. Ich habe ihr mehrfach widersprochen und gesagt, dass ich ein solches Abo niemals abgeschlossen hätte (“hätte” = indirekte Rede, nicht Konjunktiv II).
Die Dame wurde etwas pampig und sagte: “Das muss ich Sie leider eines Besseren belehren!”
Die Frage, ob ich kündigen wolle, wurde in Manier einer Schallplatte wiederholt. Das sollte selbstverständlich eine Zustimmung, also das Zauberwort “Ja!”, provozieren. Den Gefallen habe ich ihr leider nicht getan, sondern irgendwann den Hörer auf die Gabel geknallt.
Für diejenigen Leser, denen diese Praxis nicht bekannt ist: Ein “ja” wird im Gespräch provoziert, aufgezeichnet und dann als angebliche Zustimmung zu einem Vertrag als “ Beweismittel” vorgelegt. Achtung, das Aufzeichnen von Telefongesprächen, ohne den Gesprächspartner vorher(!) darauf hinzuweisen, ist in Deutschland nicht legal bzw. hat zumindest keine Beweiskraft vor Gericht - das gilt natürlich auch andersherum, falls man selbst mal Telefongespräche mit solchen Diensten mitschneiden möchte.
Es ist also notwendig, das Sagen des Wörtchens “ja” in derartigen Telefongesprächen unter allen Umständen zu vermeiden. Gar nicht so einfach, aber zumindest sollte man sich von Tricks dieser Art “Wollen Sie kündigen?” - “Ja!” nicht überrumpeln lassen - reine Psychologie! Das wird dann später umgeschnitten in “Wollen Sie diesen Vertrag abschließen?” - “Ja!”
Ich selbst hoffe im Moment, dass nicht mein fragendes “jallo?” (aus “ja” und “hallo”) für einen solchen Zweck missbrauchbar ist. Ansonsten gibt’s ja auch noch die guten Conncetions zum Anwalt, der freut sich immer, wenn er nette Briefe schreiben darf. Und ich werde ggf. darauf bestehen, dass diese Firma mir nachweist, wann und unter welchen Umständen ich dieses Dreimonats-Abo abgeschlossen haben soll.
Wobei, wenn die Daten nicht ins Blaue hinein aus irgend einem der Datenschutz-Lecks in jüngerer Vergangenheit stammen oder mindestens 5 Jahre alte Gewinnspielteilnahmen reaktiviert wurden, es nur eine Möglichkeit gibt, da ich genau EINmal für eine Facebook-App ein paar zusätzliche Coins brauchte. Ja, an die lieben Besserwisser, ich habe keine Fake-Daten eingegeben, aber auf der Telefonnummer filtert wie gesagt ein AB. Sämtliche Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels wurden sorgfältigst gelesen, und es fand sich bei dem Gewinnspiel der Firma C.... M.... GmbH aus M...... KEIN Hinweis auf ein Abo. Es war auch genügend Werbung, durch die man sich bei der Registrierung klicken musste, um das allein schon Zweck genug für ein Gewinnspiel sein zu lassen.
Wer übrigens auch einen derartigen Anruf der Deutschen Gewinnspielzentrale bekommen hat und rekonstruieren kann, dass er an einem Gewinnspiel der C.... M.... GmbH teilgenommen hat, kann sich gerne melden!
In jedem Fall handelte es sich beim “Vertragspartner” nicht um die Deutsche Gewinnspielzentrale.
Bankdaten von mir sollte die Deutsche Gewinnspielzentrale in diesem Fall jedenfalls nicht haben - für automatische Abbuchungen müssten die schon woanders Daten bezogen haben. Ich gehe derzeit davon aus, dass sowohl jegliche Zustimmung als auch weitere Daten erst in diesem Telefongespräch ermittelt werden sollen und man daher eher nichts zu befürchten hat, wenn man gleich auflegt. Die Mitarbeiter scheinen jedoch psychologisch äußerst gut geschult zu sein und sind mit dieser “Stimmen sie zu, um zu kündigen”-Taktik vermutlich in einem nicht geringen Teil der Bevölkerung erfolgreich.
Ich selbst habe das Gespräch ja recht abrupt abgebrochen, ein paar Erzählungen Betroffener finden sich aber
hier sowie natürlich bei
Google.
In Anbetracht des Ortes (Frankfurt) und einiger von Betroffenen erwähnten Details gibt es (offensichtlich auch) eine Firmierung unter
Deutsche Gewinnerzentrale - möglicherweise also, wie in solchen Fällen nicht selten, ein Dschungel unterschiedlicher Firmierungen, die doch zusammen hängen.
Nun ja, sollen sie mal weiter versuchen - gibt ganz bestimmt was auf die Finger dann!