Wenn man ein neues Projekt mit dem Open Source-CMS Drupal aufsetzen möchte, stellt sich schon die Frage, welche Version man nehmen soll oder sogar, ob man mit seinem Projekt noch ein wenig abwarten sollte.
Die derzeitige Antwort auf diese Frage ist aber in der Regel ganz einfach.
Derzeit kann Drupal in den Versionen 5 und 6 heruntergeladen und installiert werden. Für beide Versionen stehen Unmengen an Modulen und Themes zur Verfügung.
Im Einzelfall kann es sein, dass einige Module nur für Drupal 5, aber nicht mehr für Drupal 6 entwickelt wurden. Dann aber stehen meistens andere Module mit ähnlicher oder sogar besserer Funktionalität zur Verfügung. Davon abgesehen handelt es sich bei Drupal um eine Open Source Software - man kann benötigte Module also bei Bedarf selbst programmieren.
Der einzige Grund für eine Drupal 5-Installation ist also eigentlich nur der, dass es bereits im entsprechenden Projekt im Einsatz ist. In meiner Praxis habe ich es auch schon erlebt, dass eine Drupal 6-Installation bei einem Webhoster wegen einer veralteten MySQL-Version nicht möglich war, Drupal 5 sich aber installieren ließ - so etwas ist aber eine Ausnahme.
Wenn bereits Drupal 5 im Einsatz ist, ist ein Wechsel zu Drupal 6 nicht unbedingt notwendig, zumal ein solcher Wechsel auch immer mit viel Aufwand verbunden ist. “Never change a running system” ist hier ein durchaus zutreffender Spruch, vor allem dann, wenn viele Module installiert oder individuelle Anpassungen vorgenommen worden sind. Drüber hinaus wird Drupal 5 nach wie vor offiziell supportet, es gibt (Sicherheits-)Updates sowohl für Drupal 5 selbst als auch für die dazugehörigen Module.
Wenn aber ein Wechsel kompliziert werden kann, sollte man dann nicht mit neuen Projekten noch die wenigen Wochen oder Monate warten, bis endlich das lange angekündigte Drupal 7 herauskommt - damit man auch ja die neueste Version hat?
Nein, das sollte man nicht, es sei denn, man legt Wert auf Funktionalitäten, die so nur in Drupal 7 enthalten sind. De facto sind die Veränderungen von Drupal 6 zu Drupal 7 gravierender als von Version 5 zu 6, schon allein in der Benutzeroberfläche.
Wenn man ein Internetprojekt schnell umsetzen möchte, dann sollte man nicht auf ein Produkt warten, dessen Veröffentlichungstermin nicht genau feststeht. Im August 2009 hatte ich die Gelegenheit, Dries Buytaert, den Drupal-Erfinder, selbst zu fragen - O-Ton “It’s ready when it’s ready.” So ist das eben im Open Source-Bereich. Und es ist ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass die Entwickler nicht gewillt sind, ein unausgegorenes Produkt auf den Markt zu werfen.
Dazu kommt, dass zu Beginn die meisten Module noch nicht für Drupal 7 zur Verfügung stehen werden - wenn sie überhaupt weiterentwickelt werden. Es können Wochen oder Monate ins Land gehen, bis man nach der Veröffentlichung von Drupal 7 alle gewohnten Module zur Verfügung hat.
Die Empfehlung für alle, die zeitnah ein Drupal-Projekt umsetzen möchten, kann also nur Drupal 6 lauten. Mit den richtigen Modulen - dazu an anderer Stelle mehr - erreicht man hier schon deutlich mehr Komfort in der Administration und Bedienung.
Im Gegensatz zu Drupal 5 laufen viele Eingaben mit Unterstützung von DHTML und Ajax ab. So lassen sich Elemente per Drag&Drop in eine andere Reihenfolge bringen. Auch die Referenzierung bereits vorhandener Nodes läuft mit Hilfe eines Auto-Vervollständigen-Felds flüssig.Sehr komfortabel ist auch, dass die Suche nach Updates - auch für Module - bereits im Core von Drupal 6 enthalten ist.
Und trotzdem: Drupal 7 wird so viele tiefgreifende Neuerungen bringen, dass es mit Freude erwartet werden kann. Die Oberfläche wurde neu gestaltet und ist viel intuitiver zu bedienen. Das beiden für die Erstellung eigener Inhaltstypen wichtige Modul CCK wandert in den Core, ist also “out of the box” mit dabei, ebenso die Bild- und Dateiverwaltung, die bislang mit Hilfe eigenständiger Module erfolgt.
Dazu kommen viele weitere kleine und große Änderungen, die Designer, Programmierer und natürlich auch die Anwender betreffen.
Auch das Thema “Semantic Web” wird in Drupal 7 Einzug halten. Die Semantik bleibt nicht mehr länger auf die Taxonomien beschränkt. Die semantische Auszeichnungssprache RDFa soll ihren Weg in den Output finden, und unter der Haube wird mit vielen RDF-basierten Technologien gearbeitet.