Nachdem der deutsche Internetzugangsanbieter Arcor vor einigen Wochen seinen Kunden bereits den Zugang zu den Seiten eines Anbieters von P*rn*graphie verbieten musste, geht ein weiterer Kläger nun einen Schritt weiter: Arcor soll den Zugang des Suchmaschinen-Giganten Google sperren.
Hinter dem Eilantrag, der vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht wurde, steht die Firma Huch Medien GmbH, ein nicht unbekannter Anbieter eines Altersverifizierungssystems.
Deutsches Rechtssystem wird auf die Probe gestellt
Auch durch Google, so der Vorwurf, würden bei Eingabe einschlägiger Suchbegriffe p*rn*graphische Schriften verbreitet. Dem Antragsteller geht es jedoch weniger um eine Diffamierung von Arcor oder Google, sondern eher darum, die zum Teil absurde deutsche Rechtsprechung in solchen Belangen zu testen.
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Und nun?
Was wäre, wenn diesem Eilantrag stattgegeben und Google bei Arcor gesperrt würde? Welche Folgen hätte dies für die Internetnutzung in Deutschland?
Etwa 90% der Suchmaschinenanfragen laufen hierzulande derzeit über Google. Viele Internetbrowser besitzen eine sogenannte Toolbar mit einem Suchfeld von Google. Manche Internetznutzer wissen gar nicht, dass es andere Suchmaschinen gibt. Andere tippen URLs prinzipiell ins Suchfeld anstatt in die Adresszeile ein. Die Folge: wenn Google nicht erreichbar ist, ist “das Internet kaputt”.
Interessant wäre in so einem Fall natürlich, ob sich das Benutzerverhalten betroffener Arcor-Nutzer ändert, z.B. wenn sie von alternativen Suchmaschinen wie Yahoo, live.com oder anderen erfahren. Oder ob sich Arcor-Nutzer für einen anderen Provider entscheiden - was nur eine mittelfristige Lösung sein kann, da der Anschluss umgestellt werden muss, was erfahrungsgemäß Wartezeiten mit sich bringen kann.
Aber würde es dabei bleiben? Würden andere Kläger nachziehen und weitere Suchmaschinen verboten werden? Bei weiteren Providern? Wäre das Internet dann überhaupt noch auf die derzeitige Weise nutzbar? Würden die Suchmaschinen ihre Algorithmen umstellen, um künftig alle “schweinischen” Seiten zumindest in Deutschland nicht mehr anzuzeigen? Wäre das technisch machbar oder könnten wir direkt das WWW dichtmachen?
Immerhin ist dieses Vorgehen eine deutliche Provokation der deutschen Rechtsprechung, um Klarheit für die Zukunft zu erlangen. Eine Entscheidung in die eine wie die andere Richtung hätte eine außerordentliche Signalwirkung und gegebenenfalls eine erhebliche Tragweite.
Letztlich kann aber nur ein Appell an die Erwachsenen bleiben: kontrolliert eben, was eure Kinder im Internet treiben, und schaut nicht ganz weg! Auch wenn diese Aufgabe nicht immer ganz einfach ist, weil die Kids oft besser wissen als ihr, wie man Sperren umgeht oder Surfspuren verwischt. Aber vielleicht sind auch offene Gespräche und ein etwas weniger verkrampfter Umgang mit manchen Dingen eine Möglichkeit zu gewährleisten, dass eure Kinder keinen seelischen Schaden davon tragen, wenn sie mal ein “böses Bildchen” sehen!