“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!” - dieser Satz bekommt im Internet-Marketing eine ganz neue Bedeutung. Schließlich wollen wir alle genau wissen, was wir für unser Geld bekommen, und Fehler in der Statistik sind dann besonders ärgerlich, wenn sie deutlich zu unseren Ungunsten ausfallen. Das beste Beispiel dafür sind Besucherzahlen, die weit von der Realität entfernt sind. Warum ist das oft so?
Peer Wandinger von
Selbständig im Netz hat heute genau diese Thematik angesprochen. Er brachte das Beispiel für seine eigene schon recht gut (also deutlich besser als meine) florierende Seite. 30.000 Seitenaufrufe in nur einer Woche, das klingt gut, und ungefähr das ist es auch, was ihm die Statistik seines Webhosters ausgab.
Wenn ein Werbetreibender bei ihm nun eine Pay-per-View-Kampagne gebucht hätte, bei denen nach Anzahl der Einblendungen bezahlt wird, bei einem TKP (Tausenderkontaktpreis) von 4 Euro, dann hätte der Werbetreibende ihm also 120 Euro zahlen müssen.
Was aber nun, wenn die Anzahl der Werbeeinblendungen, die ein menschliches Wesen zu Gesicht bekommt, viel niedriger ist? Der Werbetreibende wäre in diesem Fall der Geschädigte. Wenn die Page Impressions nämlich hauptsächlich auf Bots aller Art entfallen, dann zahlt er Geld für etwas, was nur Maschinen zu “Gesicht” bekommen - die natürlich nicht zu Kunden werden. Leichter kann man Geld kaum verbrennen.
In Peer Wandingers Beispiel liegt die Anzahl tatsächlich menschlicher Besucher deutlich niedriger. Das Statistiktool Google Analytics gibt für denselben Zeitraum knapp 8.000 Page Impressions an. Fast drei Viertel der Werbekosten wären also zum Fenster hinausgeworfen. Nun stellt die Zahl von Google Analytics annähernd die Untergrenze dar. Sie beruht auf einer Javascript-Auswertung. Da Bots üblicherweise kein Javascript beherrschen, werden sie auf diese Weise automatisch ausgefiltert. Leider aber auch alle Besucher, die Javascript aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet haben - deren Zahl kann nur geschätzt werden, dürfte aber nicht allzu hoch liegen.
Insofern sollten die Zahlen von Google Analytics einigermaßen realistisch sein und können eine Grundlage für die Abrechnung bilden. Das sollte der Werbetreibende unbedingt bedenken, bevor er den gegebenenfalls sehr “geschönten” Statistiken des Seitenbetreibers Glauben schenkt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann natürlich auch auf andere Abrechnungsarten (Pay-per-Click, Pay-per-Lead) umsteigen, die allerdings auch ihre eigenen Tücken haben können.
Welche weiteren Möglichkeiten gibt es für den Seitenbetreiber, um gegebenenfalls auch aus der Logfileanalyse doch noch eine aussagekräftige Statistik herauszuziehen, die die Javascript-Problematik umgeht?
Peer Wandinger gibt selbst bereits Antworten: Bots aussperren natürlich nur die bösen und unnützen Bots. Das allein kann so keine Lösung sein, denn dann hat man aber immer noch die guten und unbedingt erwünschten Bots der großen Suchmaschinen mit in der Statistik; diese müssen also auch noch ausgefiltert werden.
Er fragt aber auch nach besseren Lösungen. Mir ist da spontan die Vorgehensweise der renommierten
IVW eingefallen. Dort wird ein Zählpixel eingesetzt, also bei jedem Laden der Seite eine kleine Grafik geladen. Dieses Verfahren stößt dort an Grenzen, wo das Laden von Grafiken deaktiviert ist oder wo bösartige Bots sich ALLES von einer Seite ziehen, was sie kriegen können, inklusive der Grafiken. In Kombination mit dem Aussperren der Bots kann dies natürlich schon eine Lösung sein. Kleiner Nachteil: die Sache kostet Geld, ist also eher Betreibern großer Auftritte zu empfehlen.
Meiner Meinung nach ist vielleicht eine Kombination verschiedener Methoden sinnvoll. Also z.B. Zählpixel und Javascript abchecken; falls beides deaktiviert, noch die IP-Adresse und den User-Agent auswerten, ggf. den zeitlichen Abstand aller Page Impressions des Besuchers. Mustererkennung quasi. Mal gucken, vielleicht scripte ich mir irgendwann mal so etwas, aber im Moment fehlt leider die Zeit dazu.