Morgen findet er also zum ersten Mal statt, der von
Sistrix ins Leben gerufene
SEO-Stammtisch Bonn. Und ich werde dabei sein, wenn nicht noch irgendetwas dazwischen kommt.
Und irgendwie bin ich in diesem Artikel von meiner Motivation, dort hinzugehen, zu einer doch recht interessanten Betrachtung von Suchmaschinen und deren Perspektiven gekommen.
Endlich auch mal ein Stammtisch hier in der Gegend, wo man sonst doch immer neidisch nach Hamburg, München oder in andere Ecken der Republik schielte. Dabei muss man allerdings anmerken, dass es ganze zwei Wochen später auch noch einen
SEO-Stammtisch in Köln geben wird.
Was will ich eigentlich dort, und wer bin ich überhaupt? Bin ich eine Hardcore-SEO (-Suchmaschinenoptimiererin)? Nein, eigentlich nicht, auch wenn mich das Thema interessiert, ich allerdings (noch) nicht so wahnsinnig viel davon umsetze.
Aber (gute / erfolgreiche) Suchmaschinen an sich und deren Funktionsweise interessieren mich, als berufliche Perspektive.
Außerdem stehe ich mitten im Examen, und so ein Abend mit neuen Leuten, die ich alle noch nie gesehen habe, ist als Ablenkung beim Lernen doch mal hochwillkommen. So, wie es aussieht, werde ich wohl die einzige Frau sein. Sind SEOs (fast) alle Männer? Wie es auch in den einschlägigen Foren den Anschein hat, sind Männer in dieser Branche wohl eindeutig in der Überzahl. Wieso ist das eigentlich so? Frauen kommen einem hauptsächlich als Texterinnen unter - ok, so bin ich auch etwas in Richtung SEO-Schiene gerutscht.
Ein paar eigene Projekte, ein paar von mir betreute Kundenseiten, wo man das Erlernte bei Bedarf gern mal einsetzt und bei der Konzeption neuer Seiten von vornherein berücksichtigt. Aber kein Kampf mit harten Bandagen um “Money-Keys”.
Aber wie war das jetzt mit dem Interesse an Suchmaschinen? 1996 das erste Mal im Netz, und ich war in den ersten Jahren froh, wenn Yahoo oder Altavista (irgendwann habe ich auch Fireball hinzu genommen, Google kam bei mir erst im Jahr 2000 ins Spiel) irgendetwas zu einem Suchbegriff ausspuckten, was mich interessierte. Glücklicherweise habe ich damals auch fast nie etwas Wichtiges, Ernstes im Netz recherchieren müssen, alles just for fun.
Als ich - es muss auch im Jahr 2000 gewesen sein - mit Leuten aus meinem gerade begonnenen Nebenfach Sprachliche Informationsverarbeitung (der Magister wird nach dem Staatsexamen noch nachgezogen) in der Mensa war, sprudelte eine Idee aus mir heraus, die heute in ähnlicher Form so langsam Gestalt annimmt. Die Suchmaschinenbetreiber und allen voran Google hatten in der Zwischenzeit natürlich viele Ideen, die ich nie hatte. Mir gingen seinerzeit die schlechten und oft irrelevanten Suchergebnisse auf den Geist. Man suchte etwas und bekam eine Seite, wo mit etwas Glück der Suchbegriff sogar vorkam, aber auf der es meist schwerpunktmäßig um ein anderes Thema ging. Ich wollte finden, Spam hat mich immer genervt. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich seinerzeit nicht einfach dasselbe gemacht habe: ich hätte ja soooooo viel Geld verdienen können!
Meine relativ laienhafte Vision war damals folgende: eine Suchmaschine, die mit Unterstützung der Benutzer semantisch arbeiten kann. Die Benutzer, am besten der natürlich vollkommen ehrlich arbeitende Ersteller (wie das kontrolliert werden sollte, war mir damals noch schleierhaft) der Seite selbst, greifen auf etwas zurück, was man gut zu den Meta-Tags hätte packen können. Es werden z.B. bestimmte grundlegende semantische Merkmale (“belebt”) festgelegt und mit einem + oder einem - belegt. Oder die Inhalte werden bestimmten Oberbegriffen zugeordnet. Mein damaliges Beispiel, das ich immer noch recht nett finde (obwohl überhaupt nicht mein Musikgeschmack), war “AC/DC”. Es gibt eine Band, die so heißt. AC/DC ist aber gleichzeitig eine Abkürzung im Englischen, die für Wechselstrom/Gleichstrom steht. Man könnte also alle Seiten, wo es um die Band geht, mit “+Musik” taggen, die anderen mit “-Musik”. Was daraufhin eine Suchabfrage “AC/DC +Musik” ausgeben sollte, ohne dass im Content das Wort “Musik” explizit erwähnt sein muss, muss ich wohl nicht näher erläutern. Das Ganze kann man natürlich auch für (semantisch) benachbarte oder andere relevante Keys durchexerzieren. Es wäre damals wirklich ein Meilenstein gewesen.
Zurück in der Gegenwart sehen wir, dass das Tagging in ähnlicher Form tatsächlich recht verbreitet ist. In Blogs, auf Social-Bookmark-Seiten, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Und tatsächlich in vielen Fällen von Usern vorgenommen, die die Seiten nicht erstellt haben. Themenunrelevante Ausuferungen oder “Vandalismus”, wie sie früher im Metatag “Keywords” gang und gäbe waren, werden durch eine gewisse soziale Kontrolle in den entsprechenden Communitys eingedämmt - vielleicht nicht zwingend aktiv, aber allein durch die Tatsache, dass man beobachtet wird, traut man sich gar nicht erst.
Das Web 2.0 und seine technischen Möglichkeiten ermöglichen all dies und vor allem die Usereinbindung.
Vom “Semantic Web” ist seit der entsprechenden Vision von Tim Berners-Lee schon seit vielen Jahren die Rede; die tatsächliche Umsetzung erfolgt so langsam. Wer ein Video bei Youtube taggt, sorgt dafür, dass auch dieses Video unter entsprechenden Suchbegriffen gefunden werden kann. Je nach Dateiformat können derartige Auszeichnungen auch als Metadaten direkt in die Datei eingebunden werden; zu diesem Thema hatte ich im letzten Semester ein recht interessantes Seminar “Embedded Metadata” belegt. XML und verwandte Auszeichnungssprachen spielen dabei eine große Rolle. Einmal vorhandene Tags (user-generated) können hier weiter verwendet werden.
Ein wirkliches semantisches Web geht aber noch einen großen Schritt weiter. Denn die Wörter - sei es, dass sie im Content oder den Tags vorkommen - bzw. die dahinter stehenden Konzepte stehen in semantischen Beziehungen zueinander. Hier kommen übrigens auch wieder die oben schon erwähnten semantischen Merkmale ins Spiel, durch die sich Konzepte voneinander unterscheiden. Mit genau diesen Themen habe ich mich in meiner Abschlussarbeit (im Fach Deutsch übrigens) beschäftigt - eher theoretisch, aber ich habe immer geschaut, was computertechnisch bereits wie umgesetzt wurde und welche Anwendungsbereiche es gibt. Das war hochinteressant, aber mir hat zum Schluss wirklich die Zeit gefehlt; ich hätte mir das Thema auch für eine Dissertation aufheben können. Ganz zu schweigen von einer praktischen Umsetzung.
Und das Thema ist so interessant, dass ich nur sagen kann: ich möchte helfen, Suchmaschinen mit diesen Know-How besser oder ganz anders zu machen. Die Informationsflut der heutigen Zeit erfordert dies meiner Meinung nach und macht es zu einer ehrenvollen Aufgabe. Natürlich bin ich Realistin. Ich weiß, dass Google & Co. (vor allem natürlich Google) eine entsprechend große, weitgehend zufriedene Nutzerschaft haben, und vor allem, dass sie viel Erfahrung, gute Köpfe, sehr viel statistisch auswertbares Datenmaterial, einen großen Maschinenpark - kurz: viel Vorsprung - haben. Deshalb träume ich auch nicht von der kleinen Semantik-Suchmaschine, die sich garagenmäßig vom Underdog zur Marktmacht mausern wird. Es gibt aber ja auch Suchmaschinen, die unternehmsintern (beispielsweise in großen Konzernen) innerhalb einer Unternehmenssoftware eingesetzt werden. Gespräche haben mir gezeigt, dass dort Semantik definitiv ein sehr großes Thema ist und meine Kenntnisse sehr interessant sind. Anyway, ich werde sehen, was bei den Bewerbungen, die für einen Zeitpunkt drei Monate vor meinem Abschluss angefordert wurden, werden wird ... Google kommt da weniger in Frage, die sind ja der Meinung, das alles statistisch lösen zu können. Klar, Statistik ist gut, aber sie reicht meinr Meinung nach nicht aus. Ich weiß ja nicht, was KI-Papst Norvig sich da noch für Google ausdenken wird, um fehlendes linguistisches Wissen zu kompensieren. Ich weiß nur, dass ich mir nach den Prüfungen noch mal den Russell/Norvig aus der Lehrbuchsammlung schnappen werde - nur ist der aktuell für mich so etwas von off topic ... für die Zukunft aber ganz sicher Pflichtlektüre! Dem Thema “Suchmaschinen” möchte ich treu bleiben.
Und wie passt das jetzt zu SEO / Suchmaschinenoptimierung?
Nun, erstens kann man (bzw. wird meinereiner hoffentlich mal) ja auch die Suchmaschinen optimieren.

Suchmaschinenoptimierung ist aber meiner Ansicht nach nicht nur zwangsläufig ein Mittel zur Manipulation von Suchmaschinen zwecks Geldverdienen. Sondern sie liegt - vernünftig betrieben - durchaus sowohl im Interesse der Suchmaschinen als auch der Suchenden. Denn was gibt es Besseres für alle Beteiligten als eine hochrelevante und genau passende Seite, die der Suchmaschine und den verwendeten Algorithmen entgegenkommt? Und genau das tun viele Seiten, die noch nie etwas von SEO gehört haben, nicht.
Die Zukunft der Suchmaschinen ist spannend - und die der Optimierung von Inhalten für treffsichere Ergebnisse ebenfalls. Viele Entwicklungen, die kommen werden, liegen in der Luft. Vieles existiert bereits und muss nur noch zusammengeführt werden.