Dienstag, 6. Mai 2008
Darf man in Blogs werben?
Peer Wandiger von Selbständig im Netz hat heute ein Reizthema unter Bloggern aufgegriffen. Denn einigen geht ihr Berufs Hobbyethos so weit, dass sie es nicht gutheißen können, wenn sich einige ihrer “Kollegen” ungeniert ein paar Cents oder auch Euros dazu verdienen.
Nun gehöre ich hier nicht gerade zu den Großverdienern, finde das Thema aber durchaus spannend, so dass ich mir auch einmal ein paar Gedanken dazu gemacht habe.
Nun gehöre ich hier nicht gerade zu den Großverdienern, finde das Thema aber durchaus spannend, so dass ich mir auch einmal ein paar Gedanken dazu gemacht habe.
Blogs sind ja ursprünglich Tagebücher, und wenn Lieschen Müller ihren Tagesablauf und ihre Gedanken unbedingt der Öffentlichkeit kund tun muss, dann wird sie das in den meisten Fällen bei einem der großen Bloghoster tun, der Werbung einblendet. Daran verdient Lieschen Müller selbst nichts, das ist ihr aber auch vollkommen egal bzw. wird als naturgegeben hingenommen, schließlich ist Freewebspace seit vielen Jahren meist werbefinanziert.
Eventuell werden auch andere Hobbyblogger auf einen Bloghoster zurückgreifen und nicht unbedingt ihr eigenes System aufsetzen wollen.
In all diesen Fällen verdient jemand Geld mit dem Content (Web 2.0-isch: user generated), wenn auch nicht der Blogger.
Ist derselbe Blogger jetzt auf einmal böse, wenn er sich sein Wordpress auf eigenem Webspace installiert und selbst ein paar Ads einblendet, die die drei Euro fuffzich im Monat wieder reinspielen (ob man das nicht mal einfach so finanzieren könnte, ist eine andere Frage)?
Neben denjenigen, die lediglich kundtun, dass die Katze mal wieder Durchfall hatte, gibt es natürlich auch noch diejenigen, die wirklich etwas zu sagen haben oder dies zumindest fest glauben. Diese Leute bloggen, weil sie sich dazu berufen fühlen. Als positives Beispiel wären hier handfeste Themen zu nennen, wenn beispielsweise Betroffene über eine Krankheit aufklären. Andere vertreten in ihrem Blog recht vehement die eigene politische Meinung zu politischen Reizthemen (so etwas wie Vorratsdatenspiecherung etwa) oder dokumentieren den Verlauf ihrer eigenen gerichtlichen Streitigkeiten in diesem oder jenem Fall.
Bei solchen Arten der Berufung ist eine Monetarisierung ein mehr als sekundärer Gedanke und wohl nur in Ausnahmefällen zu finden.
Im Real Life würde man, sofern es sich nicht um ein Hobby des Spaßes wegen handelt, von ehrenamtlichen Engagement sprechen.
Kommen wir nun zu den Leuten, die im Internet ihr Geld verdienen. Auch hier können die Gründe, ein Blog zu betreiben, sehr unterschiedlich sein.
Als Unternehmen, das bereits im Internet vertreten ist, bietet es sich gegebenenfalls an, ein Corporate Blog zu betreiben, das die Kompetenz unterstreicht und neue Besucher bindet - bestenfalls an ständig aktualisierte, spannende Inhalte. So wird aus dem Besucher vielleicht einmal ein Kunde - und selbstverständlich geht ein auffälliger Link zurück zur Stammseite des Unternehmens. Auch das ist natürlich eine Form der Monetarisierung, eigentlich sogar die naheliegendste, aber bei solchen Debatten die, an die zuletzt gedacht wird.
Einer Kundin (sie arbeitet als Personal Trainer in Köln) bzw. zugleich Freundin von mir habe ich erst letztens ein Wordpress installiert. Es ist nicht so, dass sie keine Kunden und Klienten hätte. Auch als Buchautorin hat sie sich bereits betätigt. Sie möchte aber mehr und plant, den Besuchern ihrer Seite selbst aktuelle Informationen liefern zu können. Dazu bietet sich ein Blog förmlich an. Auch als Laie kann sie es bedienen und einfach und selbständig ihre Einträge erstellen.
Damit sind wir eigentlich auch schon beim nächsten Punkt angelangt, warum heutzutage so häufig Weblogs genutzt werden, um seine mehr oder weniger gehaltvollen Inhalte (und gleichzeitig Werbung) unters Netzvolk zu bringen. Viele Leute nutzen ihre Blogsoftware gar nicht im eigentlich angedachten Sinne, sondern schlicht als einfach zu installierendes, nicht zu kompliziertes CMS. Jeder, der schon mal ein Wordpress installiert hat, weiß, wovon ich da rede.
Gäbe es keine Blogs, dann würden sie ein anderes CMS nutzen. Und gäbe es das auch nicht, dann würden sie ihre Seiten klassisch in irgendeinem WYSIWYG-Editor stricken, was im übrigen sicherlich einige Probleme mit Duplicate Content lösen würde. So ersetzen Blogs als komfortablere Software zunehmend die klassische “Homepage”.
Nachdem oben ja schon Gründe angesprochen sind, seine Inhalte “for free” anzubieten, bleibt festzustellen, dass die anderen Leute eben irgendwie Geld mit ihren Inhalten verdienen wollen. Sei es indrekt über Kundengewinnung oder direkt über Anzeigeneinblendungen, die es auf den Seiten des Web 1.0 auch schon gab, die es ebenso in gedruckten Presseerzeugnissen, in Fernsehen und Radio gibt. Und auf allen großen Informationsportalen im Internet, selbstredend.
Was soll daran falsch sein? Die Alternative wäre, für die Inhalte zu bezahlen, ähnlich werbefreiem Pay-TV. Das aber ist der Internetgemeinde (dem größten Teil davon) heutzutage nicht mehr zu vermitteln, dazu ist es zu spät, der Zug ist abgefahren. Im Internet muss alles gratis sein: die Häufigkeit von Urheberrechtsverstößen (Bild einbinden, Text kopieren, Filme saugen) und das dabei nicht vorhandene Unrechtsbewusstsein spricht Bände. Wozu bei einem Anbieter für eine Information zahlen, die es womöglich anderswo gratis und in besserer Qualität gibt? Der einzige Bereich, in dem ein solches Geschäftsmodell noch zu funktionieren scheint: wenn es um den Verkauf von E-Books geht, die mit Hilfe von hoch geheimen Methoden das große Geld im Internet versprechen und mit Sonderangeboten (heute nur 299 statt 399 €) werben.
Wer nun einfach informative und gut recherchierte Inhalte zur Verfügung stellen möchte und damit sein Geld verdient, der muss es irgendwo her bekommen. Je hochwertiger die Inhalte, desto aufwändiger ist meist die Recherche, ggf. das Feilen am Text. Das sieht der Laie dem fertigen Text nachher nicht unbedingt an. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang gerade an eine Diskussion bei Abakus, wo es um Honorare für Texter geht. Und ich, die ich auch hin und wieder “fremdschreibe”, merke einen deutlichen Unterschied zwischen a) dem, was ich in einem Forum produziere, b) was ich hier blogge, c) was ich als Auftragsarbeit für Artikelverzeichnisse abliefere (eigentlich sollte es Schmerzensgeld geben, wenn man 50x über dasselbe Thema schreiben MUSS, dessen Aspekte alles in allem nicht mehr als 400-500 Wörter hergeben würden - daher nehme ich derartige Aufträge auch nicht mehr an!) und d) was ich als Auftragsarbeit für etwas hochwertigere Plätze als AVZs schreibe. Der Zeit- und Rechercheaufwand steigt einfach enorm an.
“Was nichts kostet, ist auch nichts” und kann auch nicht sein - das gilt einfach für alle mehr oder weniger professionell aufgestellten Angebote. Wenn wir eine Seite wie Peers Selbständig im Netz hernehmen: solche zum Teil hochwertigen Beiträge schreiben sich nun mal nicht von selbst. Der Mann ist “Selbständig im Netz”, und daher ist es seine Mission, mit dem, was er dort tut, sein Geld zu verdienen. Wie er das tut - ob direkt über Aufträge oder indirekt über Anzeigeneinblendungen - das sollte ihm überlassen bleiben. Vor fünf oder mehr Jahren hätte er seine Seite wohl eher nicht als Weblog gestaltet, aber dennoch auf den Weg gebracht, und das im Falle eines Angebots, das primär zu Informationszwecken dient, eventuell auch werbefinanziert.
Ebenso handhaben es andere. Wenn man natürlich auch noch seine Dienstleistung verkaufen möchte, sollte man vielleicht darauf achten, keine Konkurrenzanzeigen einzublenden - es sei denn, sie bedienen eine andere Kundenschicht. Andere Anzeigen hingegen können sogar eine sinnvolle Bereicherung sein. Wie es auf die potenziellen Kunden wirken könnte, sein Corporate Blog mit Werbung vollzupflastern, das muss jeder für sich selbst abwägen.
Es gibt natürlich auch diejenigen, die Inhalte lediglich erstellen, um damit Geld zu verdienen. Auch in diesem Fall erweist sich Wordpress lediglich als leicht zu bedienendes CMS, das schnell mit Inhalten (die jemand schreiben muss, was wiederum Geld kostet, aber so kann der Student oder Schüler es wenigstens selbst einpflegen) gefüllt werden kann. So kann man eine Seite um die andere schnell hochschießen, die Masse macht’s dann auf dem Konto. Dies hat sicherlich nichts mit dem eigentlichen Blog-Gedanken zu tun, aber die Software wird wie gesagt nur aufgrund ihrer leichten Bedienbarkeit und somit eher zufällig genutzt.
Ein Kritikpunkt, den es gibt: ein Blogger kann durch die Vermarktung seines Blogs seine Unabhängigkeit und Neutralität verlieren. Nun, das semantische Web ist noch keine Realität, noch kann man so bloggen, dass lediglich die relevanten Keys fallen, wenn man kontextsensitive Werbeformen nutzt. Selbst bei Bezahl-Posts à la Trigami muss man nicht uneingeschränkt positiv schreiben, kann zudem den Beitrag als bezahlten Review kennzeichnen.
Manchmal kann aber auch ein bestimmtes Produkt durchaus ein Aufhänger für einen interessanten Beitrag sein.
Wer aber im Netz sein Geld verdient, der verdient dort eben sein Geld, ob mit einem oder 50 Blogs bzw. anderen Dingen. Am Ende des Monats müssen die Einnahmen unterm Strich stimmen. Diese Leute sind die Äpfel. Die Birnen sind dann diejenigen, die sich in ihrem Angestelltendasein oder bei Hartz den Hintern plattsitzen und in ihrer freien Zeit, die in geringerem oder auch größeren Maße vorhanden ist, im Netz ihren Idealen nachhängen können. Andere Leute tun das eben in der Kirchengemeinde oder im Tierheim. Jedem das Seine - auch beim Bloggen!



Dann folge ich also dem Aufruf von Bloggerjobs.de (schon wieder die) folgen. “Was motiviert dich zu bloggen?”, so lautet das Thema.Was motiviert dich zum Bloggen? Manches muss einfach mal nach draußen, und es ist nett, dafür Feedback zu bek Kommentar (1)
Aufgenommen: Mai 14, 16:48